Das Gleis
19. Mai bis 31. Oktober 2010

Als offiziellen Beitrag zum 175. Jubiläum der deutschen Eisenbahnen zeigt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ab 19. Mai 2010 die Ausstellung "Das Gleis. Die Logistik des Rassenwahns". Sie erweitert den Blickwinkel auf das folgenschwerste Kapitel deutscher Eisenbahngeschichte auf einmalige Weise.
Im Mittelpunkt steht die Installation "Das Gleis" (Entwurf Büro Müller-Rieger) als eine künstlerisch vielschichtige Metapher. Die Installation verbindet durch direkte Bildübertragung zum ersten Mal einen "Täterort" unmittelbar mit den zentralen Stätten der Vernichtung: Nürnberg als die Stadt, in der 1935, vor 75 Jahren, von den Nationalsozialisten die "Rassengesetze" verkündet wurden, mit Auschwitz-Birkenau und anderen zentralen Stätten der Menschenvernichtung, die Sinnbilder für den Holocaust wurden. Sie stehen nunmehr in einem Netzwerk als Ausgangs- und Zielpunkte für die Erinnerung. Denn rückblickend führten die vor 75 Jahren verkündeten "Nürnberger Gesetze" in logischer Konsequenz zu den Vernichtungslagern "im Osten".
Für die Dauer der Ausstellung "Das Gleis" wird erstmals das gesamte Erdgeschoss des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in einem Rundgang erschlossen. Der Besucher erlebt in dieser Zeit ansonsten nicht zugängliche Räume. Es sind im Rohbau verbliebene Hallen, deren ungeschlachte, grobe Ziegelmauerstrukturen auf bedrückende Weise mit den schäbigen und entwürdigenden Bauten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern korrespondieren. Der Rundgang führt thematisch von den Anfängen des nationalsozialistischen Rassenwahns über seine Auswirkungen im Alltag und die konsequente Umsetzung des Deportationsprogramms bis hin zu den in der Gleis-Installation symbolisierten Stätten millionenfachen Mordes.
Schirmherr: Władisław Bartoszewski, ehemaliger polnischer Außenminister